HTC 8X: Photo und Video I, Photos

Die Kamera- und Videofunktionen des 8X werden mit vollmundigen Versprechen beworben. Dank einer Blendenöffnung von f/2.0 und einem backside illumintated chip sollen bei völliger Dunkelheit mäßigen Lichtverhältnissen bessere Photos entstehen (nicht besser als bei viel Licht, sondern besser als bei den selben Lichtverhältnissen mit anderer Technik). Mit einem 8 MP Chip hat sich HTC glücklicher Weise nicht dem Megapixel-Wahn hingegeben, sondern einen guten Mittelweg zwischen einer brauchbaren Auflösung und qualitativ hochwertig produzierbaren Chips gewählt. Ein LED-Flash sorg dort für Licht, wo das vorhandene dann doch nicht ausreicht, Videos werden in 1080p aufgenommen, was in Handy-Kameras auch nicht unbedingt ein Garant für eine gute Qualität sein muss.

Die Eckdaten der Kamera machen auf den ersten Blick schon Lust auf mehr. Ob die Kamera hält was sie verspricht und was sie nun wirklich kann, werde ich in diesem Artikel diskutieren. Aufgrund des Umfangs werde ich die Videofunktionen in einem zweiten Teil besprechen.

Fotos

Wer sich etwas mit Photographie beschäftigt hat, weiß, dass, je größer die Blendenöffnung (bzw. Je kleiner die Blendenzahl) ist, desto mehr Licht erreicht den Chip (respektive Film). Der Nebeneffekt ist, dass sie Teile des Bildes, welche nicht im Brennpunkt liegen unschärfer erscheinen. Ob dieser Effekt erwünscht ist hängt vom persönlichen Empfinden für Ästhetik ab, generell werden Bilder mit einer geringeren Schärfentiefe jedoch als qualitativ hochwertiger empfunden, da sich der Effekt im allgemeinen positiv auf die Bildkonstruktion auswirkt (das aufgenommene Motiv wird dadurch frei gestellt).

Auf dem Papier sieht die Ausstattung des Smartphones also schon relativ beeindruckend aus. Um dies zu testen habe ich Testbilder unter verschiedenen Bedingungen geschossen. Trotz der Betonung auf die gute Qualität bei schwachem Licht, habe ich mich zunächst auf – aus Photographensicht – gutartige Bedingungen konzentriert. Da der November in der Regel nicht der Sonnenmonat schlechthin ist sind die folgenden Bilder alle bei eher trüben Wetter entstanden. Dennoch sollte bei einer Blende von f/2.0 das Licht allemal reichen, um scharfe Aufnahmen zu machen.

Herbstblatt

Trotz Novemberwetter war das Licht theoretisch ausreichend, um mühelos scharfe Fotos zu machen. Trotzdem brauchte es für ein einigermaßen scharfes Bild drei Anläufe. Die Auflösung von 6 MP tut ihr Übriges.

Das Bild wirkt etwas verwaschen, trotz eigentlich guter Parameter. Hier steht vermutlich auch die – werksseitig voreingestellte – Auflösung von 6 MP im Weg. (Blende f/2.0, ISO 100, Belichtungszeit 1/213 s)

Quitten in der Nahaufnahme. Die Farbwiedergabe ist satt aber natürlich (Blende f/2.0, ISO 100, Belichtungszeit 1/147 s)

Quitten in der Nahaufnahme. Die Farbwiedergabe ist satt aber natürlich (Blende f/2.0, ISO 100, Belichtungszeit 1/147 s)

Mit ausreichend Licht werden die Bilder recht scharf, hier werden die Grenzen eher durch Optik/Auflösung gesetzt

Im Detail erkennt man starke Säume an den Rändern, hier scheint etwas zu stark nachgeschärft zu werden

Bei dem richtigen Licht liefert die Kamera gute Resultate (Blende f/2.0, ISO 149, Belichtungszeit 1/101 s)

Bei dem richtigen Licht liefert die Kamera gute Resultate (Blende f/2.0, ISO 149, Belichtungszeit 1/101 s)

(Blende f/2.0, ISO 100, Belichtungszeit 1/357)

(Blende f/2.0, ISO 100, Belichtungszeit 1/357)

An den Testbildern fällt die natürliche Farbwiedergabe und der gute Kontrast deutlich positiv auf. Bei den voreingestellten 6 Megapixeln mangelt es den Bildern naturgemäß etwas an schärfe. Leider reagiert das Menü, in dem die Kameraoptionen eingestellt werden etwas unintuitiv, so, dass ich länger als gewollt mit 6 MP Aufnahmen gemacht habe. Die späteren Aufnahmen mit 8 MP bestätigen meinen ersten Eindruck, dass es an Schärfe mangelt, nicht. Die Bilder sind für eine Kamera im Mobiltelefon sehr schön, ausgewogen und scharf. Betrachtet man die Bilder genau stellt man jedoch fest, dass sie ordentlich nachgeschärft wurden, was an manchen harten Übergängen zu unschönen Artefakten führt. Auf die Gefahr hin, eine abgelatschte Plattitüde zu verwenden: Hier wäre weniger vielleicht mehr gewesen.

Ein weiterer Test den ich gemacht habe war, wie gut das 8X im Makrobereich arbeitet. Auf dem folgenden Bild sieht man deutlich, dass der Autofokus Probleme bekommt, wenn das Objekt zu klein wird.

Nicht in allen Lebenslagen arbeitet der Autofokus im Makrobereich tadellos

Dass es nicht daran liegt, dass so nahe Objekte prinzipiell nicht fokussiert werden können sieht man an dem nächsten Bild. Der Abstand zwischen Objekt und Kamera war vergleichbar zu dem oben gezeigten und der Autofokus arbeitet tadellos.

Die Rose ist knackig scharf, der Autofokus hat alles gegeben, um mich glücklich zu machen

Generell muss man natürlich bei einer Kamera im Handy einige Einschränkungen hinnehmen, so auch im Makrobereich. Mit einer Festbrennweite von 28 mm ist es schwierig, Makrofotos zu machen, da man mit der Linse so nah an das Objekt heran gehen muss, dass man es schon fast berührt. Das mag hinnehmbar sein bei Objekten ohne Fluchtreflex (ja, Rosen gehören dazu), wenn man aber versucht Tiere, oder kleine Tiere die meistens im Chitinpanzer daherkommen (Insekten), zu fotografieren wird das schon komplizierter.

Meine nächsten Testfotos widmen sich dem Thema Indoor, aber noch gut ausgeleuchtet. Ich habe unter anderem beim Kaiser’s (für alle Nichtberliner: Bekannte Berliner Supermarktkette, gehört zu Tengelmann) und auf dem Heldenmarkt (hier: Werbung) einige Testfotos gemacht. Nichts wirklich hochtrabendes, aber genug, um euch damit zu belästigen.

Björn Moschinski kocht auf dem Heldenmarkt (Blende f/2.0, ISO 521, Belichtungszeit 1/50 s)

Björn Moschinski kocht auf dem Heldenmarkt (Blende f/2.0, ISO 521, Belichtungszeit 1/50 s)

Indoor-Aufnahme beim Kaisers mit einigermaßen gutem Licht (Blende f/2.0, ISO 100, Belichtungszeit 1/110 s)

Indoor-Aufnahme beim Kaisers mit einigermaßen gutem Licht (Blende f/2.0, ISO 100, Belichtungszeit 1/110 s)

Leider wirken schon bei diesen Bedingungen die Bilder recht unscharf. Deutlich sind auch wieder Artefakte zu erkennen, die daraus resultieren, dass die Bilder nachgeschärft wurden. Es fällt auf, dass die Kamera eher eine niedrigere ISO-Zahl wählt, als die Belichtungszeit zu reduzieren. Für mich so nicht nachvollziehbar, aber die Leute bei HTC werden sich schon etwas dabei gedacht haben. Positiv fallen wiederum die guten Kontraste und satten Farben auf

Zum Schluss möchte ich noch auf die vermeintliche Paradedisziplin des 8X, den Aufnahmen bei wenig Licht eingehen, bevor ich meine abschließende Bewertung der Fotofunktion zum Besten gebe. Die meisten der Aufnahmen sind in meiner Wohnung bei Kunstlicht entstanden. Das Kunstlicht an sich stellt schon die erste Herausforderung dar. Der Weißabgleich von Digitalkameras ist auf kontinuierliche Lichtspektren optimiert. Moderne Leuchtmittel besitzen jedoch diskrete Spektren. Genug Physik, schauen wir uns die Bilder an.

Tara im Kratzbaum,, man sieht deutlich, dass die Kamera bei diesen Lichtverhältnissen Probleme bekommt, scharfe Bilder zu produzieren. (Blende f/2.0, ISO 1205, Belichtungszeit 1/14 s)

Tara im Kratzbaum,, man sieht deutlich, dass die Kamera bei diesen Lichtverhältnissen Probleme bekommt, scharfe Bilder zu produzieren. (Blende f/2.0, ISO 1205, Belichtungszeit 1/14 s)

Mia am Waschbecken. Der ausgeprägte Scharfzeichner und die mangelnde allgemeine Schärfe ist auch hier wieder deutlich erkennbar. (Blende f/2.0, ISO 428, Belichtungszeit 1/14)

Mia am Waschbecken. Der ausgeprägte Scharfzeichner und die mangelnde allgemeine Schärfe ist auch hier wieder deutlich erkennbar. (Blende f/2.0, ISO 428, Belichtungszeit 1/14)

Skulpturen (Blende f/2.0, ISO 554, Belichtungszeit 1/13 s)

Skulpturen (Blende f/2.0, ISO 554, Belichtungszeit 1/13 s)

Wie vermutet entspricht die Wiedergabe der Farben nicht der Wahrnehmung, das ist jedoch ein Problem, welches im Allgemeinen nicht so leicht in den Griff zu bekommen ist. Die Farben wirken dadurch leicht gelbstichig. Wie erwartet ist die Schärfe der Bilder nicht überragend, für die Belichtungszeiten, die die Kamera gewählt hat jedoch durchaus akzeptabel. Wenn ich mit meiner „Großen“ bei 1/14 s Bilder mache sind die bereits sehr unscharf. Unverständlich finde ich – wie auch schon vorher angemerkt – dass die Kamera nicht zugunsten einer kürzeren Belichtungszeit eine höhere ISO-Zahl wählt. Leider lässt sich die ISO-Zahl auch nur bis 800 manuell einstellen, die Möglichkeit höhere Werte zu verwenden (was die Kamera durchaus zu können scheint, siehe vor-vorletztes Bild, welches mit ca. ISO 1200 aufgenommen wurde). Zudem fällt wieder – bzw. gerade in diesen Aufnahmen – auf, dass ein relativ starker Scharfzeichner auf die Bilder angewandt wurde, der sie mitunter etwas unnatürlich aussehen lässt.

Fazit

Ich hoffe ich konnte Euch hier einen guten Einblick darin geben, was die Kamera des 8X kann und was weniger. Bei guten Lichtverhältnissen liefert die Kamera gute, bis zum Teil sogar sehr gute Resultate, die sich wirklich sehen lassen können, auch wenn HTC es mit dem Scharfzeichner etwas übetrieben hat. Auch wenn meine Kritik an den Aufnahmen etwas negativ ausgefallen ist – HTC sollte sich doch an den Versprechungen, die über das Produkt gemacht werden messen lassen – übersteigt die Kamera doch meine Erwartungen an eine in einem Smartphone integrierte Kamera. Als immer-dabei-Kamera tut sie durchaus ihren Dienst und ich habe bisher viele Bilder damit gemacht, an denen ich noch lange meine Freude haben werde. Die Kritikpunkte lassen sich bei den Kompromissen, die gemacht werden müssen, wohl nicht vermeiden.

Allgemein – das ist aber sicher Geschmackssache – kann ich mit dem Weitwinkel nicht so viel anfangen. Ich fotografiere, wenn mit Festbrennweite, am liebsten mit 50 mm. Das 28 mm-Objektiv im 8X lässt einen sehr nah herangehen, um Objekte formatfüllend abzubilden. Ich verstehe, dass auch dies mit den Abwägungen der Bedürfnisse aller Nutzer zu tun hat, meinen Bedürnissen entspricht es leider jedoch nicht zu 100%.

Im zweiten Teil des Artikels werde ich dann die Videofunktion vorstellen.

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